Tat(w)orte – Ein 3D Podcast zu geschichtsträchtigen (W)orten

In einer Symbiose von Erzählungen, Texten, Gedichten, Originaltönen und Musik näheren sich die 3D Podcasts geschichtsträchtigen Orten und Worten. Die binauralen Effekte, welche die Hörer:innen in vergangene Welten transportieren sollen, kommen am besten über Kopfhörer zur Geltung. Die musikalischen Aufnahmen wurden u.a. in einem ehemaligen Bunker der Nationalsozialisten aufgenommen und projizieren räumlich aus der Vergangenheit bis heute. Enstanden als Forschungsprojekt im Rahmen des Reload Stipendiums der Kulturstiftung des Bundes.

 

Rezitation: Johanna Rieken und Patrick Suhm
Musik: Zuzanna Szambelan (Cello), Liam Byrne (Viola da gamba), Johann Jacob Nissen(Gitarre),Timotheus Maas (Gesang)
Konzept & Dramaturgie: Julian Rieken
Produktion: Jonas Urbat
Aufnahmeort: Fichtebunker Berlin

Mit Passagen aus einem Gespräch zwischen Sandra Kegel und Marceline Loridan-Ivens, dass in der FAZ am 11.9.2015 erschien.

 

Episode 1: Shibboleth

Es ist ein einzelnes Wort, das die einen von den anderen trennt. Am Schibboleth (hebräisch für „Getreideähre“) lässt sich festmachen, wer dazugehören darf und wer nicht. Anhand der Assoziationskraft dieses Wortes werden aktuelle Fragen der Identität und Fremdheit, Zugehörigkeit und Ausschluss mit den persönlichen Shoah-Erfahrungen der Czernowitzer Dichter:innen verwebt. Das Schreiben wird in Anbetracht von Flucht und Exil zur Suche nach Heimat, das Wort zur einzigen Möglichkeit, Welt auszusprechen.

 
 
 

Episode 2: Czernowitz

Jahrhundertelang begegneten sich in Czernowitz jüdische, deutsche, ukrainische und rumänische Kultur. Die Stadt ist ein Mythos, eine untergegangene Welt. Deren einstige Atmosphäre, geprägt von der Mischung aus vielen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, findet sich heute vor allem in Büchern, Erzählungen und Gedichten. Mit dem Zweiten Weltkrieg verschwand dieser einmalige Kosmos, der so an keinem Ort mehr entstehen kann. In dieser Folge werden die Hörer:innen in diese für immer verloren gegangene Welt zurück versetzt.

 
 
 

Episode 3: Pitchipoy

Das Wort beschrieb währen der Shoah einen unbekannten und imaginären (Flucht-)Ort, der das Vakuum der Hoffnung bis vor die Tore von Auschwitz füllte. Auschwitz, ein fremdartiges, wenn nicht sogar unbekanntes Wort, in seiner tödlichen Logik kaum erahnbar. Kurz vor der Deportation erzählt man Kindern wie Marcline Loridan-Ivens, dass die Reise in ein fernes und unbekanntes «Pitchipoy» gehe. Marceline gelingt es fast auf wundersame Weise, durch das Grauen zu gehen, während ihr Vater in der Ungewissheit verschwindet und nie zurückkehrt.